schlimmer geht immer

symptome googeln ak googlen? not!

symptome googeln

„warum tut mein bauch weh. das ist komisch, das ziept so merkwürdig. und schon seit tagen. ob das der blinddarm ist? am besten, ich google mal schnell die symptome, bestimmt finde ich was nützliches, das mich beruhigt…“ spricht’s und setzt sich an den rechner.

aber beruhigung ist ein frommer wunsch. zack sind bauchschmerzen keine einfachen schmerzen mehr, sondern mittelschmerz, morbus crohn, darmverschluss, quer hängender pups oder gar darmkrebs. auwei. um die unterscheidung leichter zu machen, recherchiert der geneigte patient auf diversen vertrauenswürdigen seiten und spezialforen. in denen meist menschen sind, die sich besonders gut auskennen. oder es zumindest meinen, sich auszukennen. aber weiß er jetzt, was er hat?

naja, fast. er hat da so eine ahnung, weil durch das „in sich reinhorchen“ sind ihm noch mehr andere symptome aufgefallen, die er fast übersehen hätte. das leichte druckgefühl am lendenwirbel und dass er nicht mehr jeden tag aufs klo kann, sondern jeden zweiten nur. das MUSS was bedeuten, da muss genauer gesucht werden. und so googlet er sich durch divertikel, zystitis und co. bis er jede minute gedanklich in seinem bauch verbringt, mit horchen und nachfühlen. bis die angst wächst, weil ja eigentlich so gut wie sicher ist, dass eine sehrsehrsehr schlimme krankheit hinter dem bauchweh steckt. hat ja die helga aus dem forum auch vermutet. und die hat das schon seit 5 jahren, die kennt sich aus.

ihr wartet, wann endlich der arzt ins spiel kommt? jetzt vielleicht, denn gut bewaffnet mit wissen, bei dem einem kein doktor der welt noch etwas vormachen kann, abfertigen kann oder gar kein interesse zeigt (man weiß ja, wie schludrig die sind), geht man zum arzt. am besten gleich zum spezialisten. schildert die beschwerden und liefert – total praktisch – für den weißkittel – die passenden differentialdiagnosen gleich mit. der muss sichs nur aussuchen, eigentlich.

was passiert jetzt? der doktor untersucht, befindet die bauchschmerzen und die gaaaaanz merkwürdigen zusatzsymptome für mehr oder minder harmlos. DAS KANN ABER DOCH GAR NICHT SEIN! die helga hat doch gesagt, ….denkt sich der patient. und geht nach hause. und fühlt, denkt und recherchiert weiter….

ein zweischneidiges schwert, das symptome googeln.

im besten fall bringt es ein bisschen klarheit, wenn man bei netdoktor rausfindet, was man gegen verstopfung tun kann. im schlechtesten fall dreht sich das kopfkino bis zur planung der eigenen beerdigung.

warum googelt man überhaupt symptome? weil man eigentlich immer googlet? oder sind ärzte nicht mehr vertrauenswürdig? oder nehmen sie sich keine zeit mehr für patienten? warum gibt es web-seiten, die einem den arztbrief ins deutsche übersetzen? oder ist es anders herum – sollte nicht jeder ein aufgeklärter, mündiger patient sein, der verantwortung übernimmt und nicht nur demütig den kopf vorm halbgott in weiß neigt?

das ist die große frage. ich hab keine antwort darauf, vielleicht ist es eine mischung aus allem. und auch ich bin schon in die google-falle getappt. weil ich dachte:“ach, frau k. ’se kennen sisch aus, sie können des einordnen und zum arzt geh’n ’se eh, alles keen problem“ ha! pustekuchen! da wurde im kopf aus meinem gereizten nerv im kiefer eine fette nervenentzündung, die ganz üble schäden hervorufen kann….

6 comments for “symptome googeln ak googlen? not!

  1. cidrin
    27. Juli 2012 at 19:57

    Also „Ne, ist was anderes“ werde ich auf jeden Fall in mein Repertoire aufnehmen. Das hat was.

    Aber mal ganz ehrlich, bei der heutigen Aufgeklärtheit der Patienten (einschließlich der oft eigentümlichen Internet-Recherchen, die man dann immer wieder gerade rücken muss) komme ich als Arzt ja gar nicht umhin, über die Diagnosen und andere Fachbegriffe zu sprechen.

    Ehrlich gesagt würde ich jedem Patienten empfehlen, entweder

    a) renitent zu sein (im o.a. Sinne) oder
    b) den Arzt zu wechseln,

    bis ich bei einem bin, der mich ernst nimmt.

    Es gibt schon jede Menge doofe Ärzte. Wenn ich nur daran denke, dass mich 90% meiner Kommilitonen im Medizinstudium extrem genervt haben …

    Aber dann gibt es eben auch gute und nette Kollegen.
    Das Problem ist immer nur, die zu finden.
    Im ambulanten Bereich wird es oft so sein, dass Ihnen ein guter und netter Doc auch andere gute und nette Docs empfiehlt.

    Außerdem ist es auch immer von Vorteil, wenn man sich klar macht, dass auch der Arzt „nur ein Mensch“ ist und sich tierisch über abartige Budgetierungen, überbordenden Bürokratismus und andere Freuden des Vertragsarztdaseins aufregt.

    Das soll nicht heißen, dass man den ganzen Schmarrn am Patienten auslassen darf, aber ich freue mich über jeden, der auch mal Verständnis für die Situation der Ärzte hat.

    Dieses Gegoogle finde ich verständlich und nachvollziehbar, aber in meiner Erfahrung ist ein vertrauensvoller Kontakt zum eigenen Doc schon die bessere Option.

    Peter Teuschel

    • 31. Juli 2012 at 20:45

      ärzte sind nur menschen und es ist auch das system, dass hier hapert. wenn ein hausarzt nur 10 minuten bezahlt bekommt, kann er nicht viel reißen, es sei denn, er hat genug private. und auch unter dr. finden sich (tschuldigung) arschlöcher. rentintent sein ist manchmal als chronisch kranker nicht einfach, weil man eigentlich an anderen problemen zu knabbern hat, als ständig mit ärzten, krankenkassen und sonstigen zu kämpfen, wofür eigentlich keine kräftereserven mehr da sind. klar, anderen arzt suchen – ist ein muss, aber ich hab jetzt schon den dritten nulpen-hausarzt durch, der einen nicht ernst nimmt. (und ich bin kein googler, sondern ein patient, der sich kennt, der verantwortung mit übernehmen will und mit dem man außerdem auch noch in fachchinesisch sprechen kann. was per se schon manche zu überfordern scheint….aber ich sehe schon, das ist schon wieder einen eigenen post wert)

  2. 26. Juli 2012 at 1:17

    Mir wurden in letzter Zeit so gut wie keine Diagnosen mehr erklärt. Meine selbstdiagnostizierte Sehnenscheidenentzündung (weil ich die schon 100x hatte und kenne…) wurde als „Ne, ist was anderes.“ abgetan. Eine Alternative hatte er dann aber auch nicht parat. Als ich den Arzt gewechselt habe, stand dann aber merkwürdigerweise doch Sehnenscheidenentzündung in der Diagnose. Neben endlos vielen anderen Dingen von denen nie geredet wurde… die ich mir dann auch erst mal selbst übersetzen durfte. Groß erklären müssen sie ja nicht mal.. würde doch schon reichen, wenn sie sagen „Blasenentzündung“ statt „Zystitis“… aber manchmal glaube ich sie gefallen sich einfach, wenn sie einen auf wichtig machen können 😉

    • 26. Juli 2012 at 7:01

      deswegen bin ich so renitent wie möglich. ich glaube ärzte hassen mich. ich geb nicht eher ruhe, bis es mir klar und nachvollziehbar ist.

      aber – es gibt auch noch „gute“ dr. …glaub ich…

  3. cidrin
    22. Juli 2012 at 11:43

    Heut geht da nix mehr …

    „Versuchen Sie es morgen wieder!
    Unser ehrenamtliches Team aus 509 Medizinern arbeitet intensiv an der Übersetzung der vielen bisher eingegangenen Befunde. Trotzdem werden täglich mehr Befunde eingesendet, als wir zeitnah übersetzen können.
    Täglich ab 7 Uhr finden Sie hier eine Warteliste, in die Sie sich eintragen können, wenn Sie einen Befund übersetzen lassen möchten. Auch in Ihrem Sinne möchten wir die Wartezeit aber nicht zu lang werden lassen. Daher sind die Wartelistenplätze entsprechend unserer Kapazität limitiert. Für heute sind leider bereits alle Plätze vergeben. Selbstverständlich erweitern wir kontinuierlich unser Team, um bald noch mehr Befunde annehmen zu können.“

    Scheint ja ganz schön zu boomen.

    • 22. Juli 2012 at 13:20

      tja, warum es boomt, das frag ich mich? erklären die ärzte nicht mehr (wäre kein wunder, bei den budgetproblemem) oder vertrauen wir den dr. nicht mehr?

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