schlimmer geht immer

hey, warte doch mal…

auf den bus warten. warten, dass das das klo frei wird. an der der supermarktkasse. am telefon in der warteschleife. auf rückrufe. das halbe leben besteht aus lästiger warterei, nicht gut für ungeduldige gemüter wie mich. (gibt es eigentlich ein synonym für warten? außer vielleicht geduld?). kommt man aber drumherum, denn man weiß ja: irgendwann kommt der bus und auch die omi hat das fünfcentstück gefunden und die kassenschlange wälzt sich vorwärts.

was aber richtig scheiße ist: warten auf medizinisches. blutbefunde, ultraschallbefunde, egal was für befunde – die zeit zwischen der untersuchung und dem ergebnis ist gruselig. man hängt unsicher in der luft und bringt nichts so richtig zustande. ein bisschen so, wie man sich frisch verliebt um das telefon herumdrückt, in der hoffnung, das objekt der begierde möge doch bitte anrufen. total verstrahlt, aber wenigstens irgendwie high von den ganzen hormonen. ohne die schöne rosarote brille ist das leider total beschissen.

ablenken geht nicht so richtig. je nach gemütslage, veranlagung und konsequenzen der besagten ergebnisse macht man sich leichte mit mittelschwere sorgen, die auch schon mal akut in panik umschlagen können. jedes mal im krankenhaus geht es mir so. blut abgenommen, warten. dann nach der ck fragen, nachdem ich mich drei stunden mantra-mäßig selbst hypnotisiert habe: „du musst es nicht wissen, es ist nur ein blöder blutwert, wichtiger ist, wie’s dir geht“.  funktioniert nur leider nie. nie! ist der wert dann gut, geht’s mit gut. ist er scheiße, nimmt mich das mit. irrational!! es ist nur eine beschissene zahl! trotzdem kann ich es nicht lassen.

(btw: noch eine stufe schlimmer ist es, wenn es andere menschen betrifft, von denen man weiß: eine wichtige untersuchung steht bevor und vom ergebnis hägt es ab, ob du heimlich heulend abklappst oder alles mit einem tiefen erleichterten atemzug seinen gewohnten gang geht.)

meine mutter hat früher, als ich klein war, vor weihnachten auf meine frage: „wann kommt denn endlich der weihnachtsmann?“ immer mit der gegenfrage geantwortet: „kannste warten?“ Hab ich „ja“ gesagt, hieß die antwort „dann warte“. hab ich „nein“ gemöpt, gab’s ein „dann lern’s“.

gelernt hab ich es nie. kann man das überhaupt?

8 comments for “hey, warte doch mal…

  1. 10. Oktober 2012 at 17:43

    diagnostik vermeiden ist für mich der falsche weg. ich will und muss wissen, was los ist.
    ich bin nicht gelassen, was befunde angeht, weil ich immer angst vor einem neuen schub habe. das hat nichts mit der diagnose oder nicht-diagnose zu tun. und wie meine arbeitstitel polymyositis sich verhält weiß ich ja…

    • 11. Oktober 2012 at 15:21

      Sorry, eigentlich wollte ich das nicht so sagen, aber habe was völlig anderes geschrieben…
      Ich habe manchmal Denkfehler und projiziere meine eigene Geschichte in andere Personen…: z.B.in dich, weil ich da eben auch auf manchen Ebenen Ähnlichkeiten erkenne (Satz 1 u.2. bezog sich auf mich und mit dem zweiten Absatz wollte ich eigentlich schon das ausdrücken, was du mir geantwortet hast.)

      Prinzipiell will ICH es in einem Schwebezustand belassen, um mich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, was es nun ist…Ob ich 5 Jahre habe oder es doch irgendwie behebbar ist oder wie bei dir nicht klär bar…Verdrängung und totale Missachtung meines Körpers ist eben meine Variante damit klar zukommen. Der Gedanke, das es bei unklaren Nervenläsionen bleibt —und ich es nie wissen werde– ist übrigens in dem ganzen Sammelsurium mit einer der SCHLIMMSTEN Vorstellungen…Bei: Sie haben noch 5 Jahre wäre es vermutlich GENAUSO schlimm, aber dann könnte ich evtl. noch planen was ich in der Zeit machen könnte…So habe ich quasi noch die Hoffnung, dass es diagnostizierbar sein könnte und evtl. therapierbar…Ich glaube nur eigentlich NICHT daran (gewisse Ideen habe ich schon dazu) und Ich möchte nicht ohne Hoffnung leben….Völlig absurd..Ich weiß!)

      Du bist seit 20 Jahren in diesem Zustand und immer im Ungewissen…: Das ist für mich pers. eine absolute HORRORVORSTELLUNG… Aber DU hast dadurch auch mittlerweile gelernt mit der Sache anders umzugehen..(Auch wenn wir -denke ich- fast gleich alt sind…Bist du WESENTLICH „erwachsener“ im Umgang mit deiner Krankheit… Und das bewundere ich auch an dir oder z.B. Chaoskatze…) Ich bin da wesentlich unfähiger und noch in den Babyschuhen und muss quasi noch laufen lernen…Jeder sucht seinen eigenen Weg, um nicht an seiner Geschichte zu zerbrechen…)

      • 11. Oktober 2012 at 20:21

        du hast recht, jeder muss da seinen ganz individuellen weg finden. und wenn deiner der gewollte schwebezustand ist, dann ist das dein weg.

        ich weiß nicht, ich bin seit 20 jahren im ungewissen,.. aber das große aber, was es mir ein einfacher macht: die medikamente helfen, was immer es auch ist. ob wirklich eine polymyositis oder was anderes, es spricht an. mal mehr, mal weniger gut, aber das macht es erträglich.

        und so erwachsen bin ich auch nicht immer. vielleicht bin ich in ein paar aspekten älter als 31, aber glaub mir – es gibt auch zeiten, momente, phasen, so gar nichts mehr geht…

        ich denke (ohne dir zu nahe zu treten zu wollen oder viel reinzuinterpretieren): was du eigentlich bräuchtest, sind ärzte denen du vertrauen kannst. und nicht diese komischen fatzkes bisher. jemand, der sich für dich einsetzt, wenn du es nicht kannst.

        nicht aufgeben! was denkst du, warum mein blog „schlimmer geht immer“ heißt 😉

  2. 10. Oktober 2012 at 15:39

    Das kann ich sehr , sehr gut nachvollziehen— Ich glaube deshalb vermeide ich auch gerade Diagnostik, da ich nicht weiß, ob ich wissen will WAS ich jetzt nun genau habe..Wenn ich da so demyelisierende Erkrankungen google ist MS (was schon Symptomtechnisch eher nicht passt) schon fast die beste Option…

    Nur mal so ne Idee: Du bist – was Befunde angeht – nicht gelassen, weil du in einem Dauerschwebezustand bist und eigentlich überhaupt nichts weißt über dein Krankheitsbild…(auch wenn es jetzt blöd klingt: ich glaube wenn man halbwegs weiß wie sich eine Kranklheit verhält UND man nicht zu den Abweichungen von der Norm gehört, dann kann man sich auch daran ein Stück weit fest klammern—) aber ist jetzt nur so ein Gedanke…

  3. 5. Oktober 2012 at 0:52

    In mancher Hinsicht habe ich es gelernt, wenn auch nicht in jeder, es hat aber lang gedauert. In mancher Hinsicht bin ich auch ungeduldiger geworden.

    Was Befunde angeht, kann ich das inzwischen ganz gut, es lässt mich nicht völlig kalt, hält mich aber auch nicht mehr vollkommen von anderen Dingen ab.

    • 9. Oktober 2012 at 21:01

      ich weiß auch nicht, warum ich da nicht gelassener werde. vielleicht muss ich einfach noch weitere 20 jahre hinter mich bringen? 😉

  4. Amy
    4. Oktober 2012 at 23:42

    Ich bin auch unheimlich ungeduldig. Wenn du rausfindest, wie man warten lernen kann, verrats mir doch bitte 😉 Ich kann es nämlich auch immer noch nicht. Frei nach dem Motto „Herr, gib mir Geduld, SOFORT!!!!!“

    • 9. Oktober 2012 at 21:00

      falls ich es jemals rausfinde, geb ich gern bescheid. FALLS…. ich zweifle schwer daran…

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