schlimmer geht immer

ich bin aber viiiel schlechter dran als du!

wenn eine freundin zu mir sagen würde: „ich würd gern mit dir tauschen – deine probleme sind ein klacks!“ und das nicht nur so dahin gesagt wäre, sondern auch so gemeint. dann wäre diese freundschaft an exakt dieser stelle gestorben. Wirklich.

Warum? Weil respekt die grundvoraussetzung für freundschaft ist. Und den anderen ernst zu nehmen, egal ob es sich um liebeskummer, einen eingewachsenen zehennagel oder krankheit handelt – das ist wichtig.

deine probleme möchte ich haben!

stell dich nicht so an, es gibt schlimmeres auf der welt.

wenn ich dran denke, wie furchtbar es menschen treffen kann, kommen mir meine probleme ganz klein vor.

Diese sätze höre ich in letzter zeit sehr häufig. entweder die eigenen bausstellen werden mit prio eins gelabelt und so hingestellt, als ob nichts schlimmer sein könne als das eigene schicksal. Oder aber alles ist „nichts“, „nicht so schlimm“, „nicht der rede wert“ oder „ich kann froh sein, gesund zu sein und gegen deine krankheit sind meine wehwechen ein fliegenschiss.“

Doch was ist wirklich schlimm? Ist eine progrediente muskelerkankung besser oder schlechter als krebs? Ist eine kaputte beziehung ein größeres päckchen, dass man tragen muss, als kein geld zu haben? ist sich einsam zu fühlen schrecklicher als arbeitslosigkeit? Bin ich besser dran, weil nur eine jobkrise habe und keine depression?

Wer definiert das und was zwingt uns eigentlich dazu, immer eine gewichtung an unser leben zu tackern. Jeder hat dinge, die ihm zusetzen, die ihn beschäftigen und die ihn hadern lassen. Wie schwer sorgen und ängste wiegen, kann doch nicht in relation gesetzt werden. Oder etwa doch? Wir tun es doch jeden tag – mit diesen sätzen.

(und kommt mir jetzt nicht mit den hungernden kindern in afrika und dem europäischen jammern auf hohem niveau ;-))

5 comments for “ich bin aber viiiel schlechter dran als du!

  1. 7. September 2012 at 9:29

    Ich finde, jede Krankheit ist für den Betroffenen schlimm und Niemand hat das Recht, etwas schlimmer oder nicht schlimm zu bezeichnen. Gerade Depressionen werden ja sehr gern heruntergespielt.

    • 11. September 2012 at 16:53

      da hast du wohl recht. mir ging es aber nicht nur um krankheiten. sondern um sorgen jeglicher art… vielleicht gerade im bezug auf verhalten von kranken gegenüber gesunden. die ja auch nicht problemfrei sind…

  2. 4. September 2012 at 22:20

    das unterschreib ich genau so!

  3. 4. September 2012 at 22:01

    Relationen können, wenn überhaupt nur von einem selbst in Bezug auf einen selbst hergestellt werden.
    Ich eine damit: Es ist durchaus möglich, dass die Erfahrung dessen, was anderen passiert, die eigenen Probleme _vor einem selbst_ relativieren kann. In der Regel bringen Vergleiche aber eher Probleme, wenn vergleichen wird, was nicht vergleichbar ist.

    Die Erfahrung anderer Geschichten _kann_ durchaus ein Teil der eigenen Aufarbeitung sein, das muss jedoch nicht unbedingt immer und bei jedem gleich funktionieren und kann eben auch kontraproduktiv sein. Ich verstehe das auch eher in dem Sinne ein rationales Verhältnis dazu zu bekommen, was sein könnte und was ggf. (noch) nicht ist, und damit ein insgesamt rationaleres Verhältnis zur eigenen Situation zu gewinnen.

    Vergleiche im Sinne von „schlimmer“ oder „weniger schlimm“ als ich oder Du oder der/die machen von vornherein überhaupt keinen Sinn, da der Grad, wie beeinträchtigend eine bestimmte Situation empfunden wird, zwar evtl. gemessen werden aber nicht an bestimmten Umständen festgemacht werden kann. Ein und dieselbe Situation/Krankheit/Problem wird von verschiedenen Personen völlig unterschiedlich erlebt.

    Niemand ist schlimmer oder weniger schlimm dran als der oder die Andere. Und deshalb können vermeintlich gut gemeinte „Aufmunterungen“ auch so verletzend sein, denn in vielen Fällen heißen sie eigentlich nichts anderes als „Du nervst mit Deiner Geschichte, ich will sie nicht mehr hören“ Das kann man, etwas gefühlvoller und höflicher natürlich, auch offen sagen. Mir zumindest ist das lieber.

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